Produktwertäquivalenz

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Ich möchte gleich zu Anfang einen weit verbreiteten Irrtum korrigieren. Wenn man 2,50 Euro für 1 Brot bezahlt, ist 2,50 Euro auf keinen Fall äquivalent zu einem Brot.

Äquivalenz kommt von aeque (gleich) und Valenz (Wertigkeit) und heißt damit wörtlich übersetzt Gleichwertigkeit. Gleichwertigkeit ist das Ergebnis eines Vergleiches. Vergleichen kann man aber nur Größen der gleichen Art, also Masse mit Masse, Dichte mit Dichte, Volumen mit Volumen. Möchte man das Gewicht zweier Mengen miteinander vergleichen, dann legt man sie auf eine Balkenwaage. Bleibt die Waage im Gleichgewicht, dann sind beide Mengen gleich schwer. Möchte man die Werte der Größen miteinander vergleichen, dann müssen sie in der gleichen Einheit vorliegen. Will man die Gewichtswert m1 und m2 der beiden Mengen M1 und M2 miteinander vergleichen, dann müssen die Werte von m1 und m2 in der gleichen Einheit angegeben werden, wie z.B. mMehl = 500 g und mZucker = 500 g.

Äquivalenz kann es also nur zwischen Größen der gleichen Art oder Größenwerten der gleichen Einheit geben. Wie wir in den Grundlagen erörtert haben, sind zwei unterschiedlichen Mengen niemals das Gleiche. Der Äquivalenz-Begriff kann (und darf) also niemals auf Mengen angewendet werden.

Im ökonomischen Sinne können wir die Produktwerte der Waren miteinander vergleichen. Es sind Größen der gleichen Art und sie können in der gleichen Einheit angegeben werden, weil die verschiedenen Zeiteinheiten ineinander umrechenbar sind. Wenn wir also eine Warenmenge ermitteln wollen, deren Produktwert genauso groß ist, wie der eines Brotes, brauchen wir zuerst einmal den Produktwert des Brotes. Angenommen in 500 g Brot stecken alles in allem 60 min Arbeitszeit, dann beträgt dessen Produktwert 1 Stunde. Als zweites brauchen wir den Produktwert einer zweiten Warenmenge. Angenommen in 100 g Salami stecken 2 h Arbeitszeit. Über den 3-Satz können wir nun die Menge Salami berechnen, die wir produkwertäquivalent gegen 500 g Brot tauschen können: 500 g Brot ⇔ 50 g Salami!

Welcher Produktwert in 2,50 Euro steckt, kommt darauf an, ob sie für ihr Brot Münzen aus Metall, Scheine aus Papier oder elektronische Zustände per ec-Karte bekommen. (siehe Kapitel Euro).

Das gesellschaftliche Gefühl für die Produktwertäquivalenz

„Ein Mann hat eine Woche auf Herstellung dieses Bedarfsgegenstands verwandt … und der, welcher ihm einen anderen Gegenstand im Austausch gibt, kann nicht richtiger abschätzen, was wirklich gleichwertig1 ist, als durch die Berechnung, was ihm ebensoviel labour und Zeit2 kostet. Das bedeutet in der Tat den Austausch der labour, die ein Mensch in einer bestimmten Zeit auf einen Gegenstand verwandt hat, gegen die labour eines andren, in der gleichen Zeit auf einen anderen Gegenstand verwandt.“ unbekannter Nachfolger von David Ricardo: Some Thoughts on the Interest of Money in general etc.“, p. 39; zit in KM1, S.61 Fn 16

1 im Sinne von gleich großer Produktwerte, also p1 = p2
2 übersetze labour und Zeit mit Arbeitszeit

„Den Produzenten der vorkapitalistischen Ära waren die Arbeitszeiten der von ihnen hergestellten Gegenstände ziemlich genau bekannt. Schmied, Wagner, Schneider, Schuster und Bauer eines Dorfes arbeiteten alle auf so engem Raum, das einer vom anderen wußte, wie lange er für welches Produkt brauchte. Der Produktwert war somit die einzige Größe, nach der die auszutauschenden Warenmengen bestimmt werden konnten – es gab gar keinen anderen Maßstab, es war überhaupt kein anderer möglich. Oder glaubt man, die Bauern und Handwerker seien so dumm gewesen, das Produkt zehnstündiger Arbeitszeit des einen gegen das Produkt einer einzigen Arbeitsstunde des anderen hinzugeben?“ F. Engels in Das Kapital, Bd. 3, S. 907, adapt v IE

„Die Leute von damals waren gescheit genug, um die von ihnen aufgewandte Arbeitszeit nicht zu verschenken. Im Gegenteil: je mehr der Produzent mit der Herstellung der Waren verbunden ist, umso mehr ringt er darum, im Austausch so viel individuelle Arbeitszeit wie möglich gesellschaftlich anerkannt zu bekommen.“ FE in KM3, S. 908, adapt v IE

Der produktwertäquivalente Austausch entstand „nur in einem dunklen, hin und her tastenden Prozeß der Annäherung, wobei der Einzelne oft erst durch den Schaden klug wurde. Aber die Notwendigkeit, im Großen und Ganzen auf seine Kosten zu kommen, halfen immer wieder, die äquivalenten Mengen zu finden.“ FE in KM3, S. 908

Heutzutage, wo Zeitmeßtechnik und mathematische Berechnungsmethoden sehr weit fortgeschritten sind, wäre eine direkte Bestimmung des Produktwertes einer jeden Warenmenge durchaus möglich, wenn man es gesellschaftlich wöllte.